Zeichnungen Still I – Still VI / Papierschnitte “Cuts”

2011
Christian Frehner
In Zeitungen veröffentlichte, fragmentarische Aufnahmen von Überwachungskameras bilden den Ausgangspunkt der Serie Still I – VI. Es sind dies meist anonyme, gewissermaßen unverortete Bilder, die ein scheinbar unverfälschtes Bild einer Wirklichkeit, eines einge-fangenen Momentes, zeigen. Trotz des alltäglichen, meist sehr statischen Blickes der Kamera fallen mir so regelmäßig spannende, oft geradezu surreal anmutende Bilder zu.

Mit der Verarbeitung der ausgewählten Motive lasse ich den festgehaltenen Moment gleich einer Erinnerung von neuem aufleben. Trotz der Vergrösserung der ursprünglich oft sehr kleinformatigen Zeitungsbilder bleibt der genaue Inhalt meist verschleiert, die Bedeutungen der Bilder öffnen sich vielschichtigen und ambivalenten Interpretationen. In ihren vagen, unscharf erscheinenden Darstellung wecken sie Assoziationen und werden zu eigentlichen Projektionsflächen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das vom Zeitungsbild herführende Punktraster. Im Zeitalter von Scan und Jpeg zeichne ich dieses Raster in langwieriger Arbeit nach, adaptiere das Verfahren des Druckes mit der Hand und wiederhole so den industriellen Vorgang mit der Fertigkeit meiner Finger. Ich erfasse die vorliegenden Daten, zeichne auf, speichere Punkt für Punkt auf dem grundierten Holz.

Bei den Papierschnitten “Cuts” passiert dazu eine Umkehrung: Wie bei einer Lochkarte werden die einzelnen Punkte weniger gezeichnet als vielmehr ausgespart oder umrissen, von Hand ausgeschnitten! Die schwarzen Stellen repräsentieren hier also gleichzeitig den “leeren Raum”.

Beim Betrachten beginnen die Bilder zu flimmern, die in Stillstand gebannten Szenen scheinen sich für einen kurzen Moment erneut abzuspielen. Dem Betrachter wird so ein Eindruck von Bewegung vermittelt, dies in eigenartigem Widerspruch zum gleichzeitig vorherrschenden Zustand der Schwebe, zwischen Auflösung und Zersetzung.

Der Betrachter selbst spielt aber auch insofern eine wichtige Rolle, als dass er sein Blickfeld selbst wählen, beziehungsweise verändern kann. Die zunehmende Unschärfe des Bildes bei verminderter Distanz wird zu einem bestimmenden Moment.