| Datum | 31. Januar – 29. März 2026 |
DUO eine Intervention von andreasschneider und Julian Salinas in der Garage Renata
in Basel vom 31. Januar bis 29. März 2026
Das Auto ist Versprechen und Belastung zugleich. Es steht für Freiheit, Mobilität und Individualität – und ebenso für Verdrängung, Lärm, Abgase, Unfälle und Überforderung. Kaum ein anderes Objekt ist emotional so stark aufgeladen und gleichzeitig so widersprüchlich besetzt.
Mit der Intervention DUO wird ein künstlerisches Raum- und Sprachprojekt in der freistehenden Garage bei der Villa Renata in Basel realisiert, das auf diese Divergenz reagiert. Der nüchterne, funktionale Ort – normalerweise dem Abstellen eines Autos gewidmet – wird in einen kontemplativen Resonanzraum verwandelt. Im Inneren der Garage hängen zwei identische Wörter diagonal zueinander im Raum: AUTO, geformt aus rot leuchtenden LED-Lichtstäben. Die beiden bilden ein visuelles Duo, das sich gespiegelt gegenübersteht und den Raum körperlich wie semantisch auflädt.
Die Lichtskulpturen treten in einen rhythmischen Dialog mit Sprache. Über einen Lautsprecher spricht eine Frauenstimme Wortpaare, die das Wort AUTO nachhallen lassen - jedoch nicht wie zu erwarten in Bezug zum Thema Auto und Garage selbst, sondern bewusst von diesem gelöst. Dadurch verschiebt sich die Bedeutung des Wortes grundlegend. Auto fungiert nicht mehr als Bezeichnung eines Objekts, sondern als sprachlicher Operator. Als Präfix – etwa in autoimmun, autonom oder autokratisch – verweist Auto auf Selbstbezüglichkeit, Abgrenzung und innere Logik.
Auto-.... beschreibt Prozesse, die sich selbst regulieren, sich selbst schützen oder sich gegen sich selbst richten. In autoimmun wird das Eigene zur Bedrohung, in autokratisch legitimiert sich Macht selbst heraus, in autonom wird Unabhängigkeit behauptet. Das Wort markiert eine Bewegung nach innen - eine Selbstermächtigung, die zugleich Verletzlichkeit und Ausschluss produziert.
In dieser Lesart steht AUTO für Systeme, die sich verselbstständigen: biologisch, politisch, sozial. Es benennt nicht Mobilität, sondern Kreisläufe, nicht Freiheit, sondern Selbstreferenz. Das Wort trägt eine Ambivalenz in sich – zwischen Schutz und Isolation, Selbstbestimmung und Kontrollverlust. So verstanden wird Auto zum abstrakten Zeichen einer Gegenwart, in der sich Strukturen zunehmend auf sich selbst zurückziehen. Das Wort verliert seine materielle Schwere und gewinnt eine konzeptuelle Dichte, die weniger sichtbar, dafür umso wirkmächtiger ist.
Titel - Ausgangspunkt war die Idee, zwei Autos seitlich in die Einzelgarage zu schieben – eine bewusste Überfüllung des vorgesehenen Raums. Diese physische Verdichtung blieb unrealisiert. Stattdessen erscheinen jetzt zwei Autos als zwei identische Wörter. Eine Einzelgarage zeigt ein doppeltes Auto, verschiebt sich vom Körper in Worte und führt die Absurdität des automobilen Raumanspruchs visuell und unerwartet auf sprachlicher Ebene fort.
DUO 2026
Licht- und Toninstallation
Loop 5 Min. 30 Sek.
Gesprochen von Manuela Biedermann, Schauspielerin
LED-Lichtstäbe, Folie, Kabel, Schaltung, Relais, Lautsprecher
300 x 600 cm / H 250 cm
Programm
Vernissage parallel zur Eröffnung der Villa Renata: 31. Januar 2026, um 18 Uhr
Filmpräsentation Abhang, ein experimenteller Dokumentarfilm: 14. Februar 2026, um 17 Uhr
Fiktives Gespäch mit dem Autobauer Emil Frey: 29. März 2026, um 16 Uhr
Finissage und Abschluss: 29. März 2026, 14 bis 18 Uhr
Betrieb der Intervention täglich 07:00 - 19:00 Uhr