You ask the time and I see the world

06. August –
04. September
2022
Ivette Olmedo (MEX), Les couleurs pliées Kara Springer (BRB/CAN): I must be given words Sandeep TK (IND): Let me add something in my own melody Grant Jurius (ZAF): Animal Skin
Datum 06. August – 04. September 2022

You ask the time and I see the world
Ausstellungen in Villa Renata in Kollaboration mit Atelier Mondial
Kuratorin: Isabel Balzer

Vier Solo-Shows:
Ivette Olmedo (Mexico): Les couleurs pliées
Kara Springer (Barbedos/Canada): I must be given words
Sandeep TK (Indien): Let me add something in my own melody
Grant Jurius (Südafrika): Animal Skin

-6. August bis 4. September 2022-
Vernissage: 5. August, 18-21h
Villa Renata; Socinstrasse 16; 4051 Basel

Kunsttage Basel:
Sept 1, 18-22h
Sept 2 bis 4, 10-18h

5.8. 18-21h
Vernissage mit Apéro

1.9. 19h:
Führung der Kuratorin durch die Ausstellungen mit den Künstler:innen

3.9. 10-18h:
Führung durch die Ausstellungen mit Künstler:innen

4.9. 13h:
Familien Workshop mit Papierkünstlerin Ivette Olmedo (auf Englisch und Deutsch): “The flexible Paper» Wir erforschen die unendliche Vielfalt des Papier-Faltens und bauen Objekte aus farbigen Papierbögen und Leim. Module, Faltungen, Schnitte - alles ist möglich von Skulptur bis Buch (ab 5 Jahre)

15h:
Führung durch die Ausstellungen

4.9. 16-18h:
Finissage mit Apéro

(scroll down for English)

You ask the time and I see the world
Die Ausstellung «You ask the time and I see the world» präsentiert vier Stipendiat:innen des Atelier Mondial, deren künstlerische Praxis in verschiedenen Bereichen der künstlerischen Darstellung verortet ist: Kara Springer, Ivette Olmedo, Grant Jurius und Sandeep TK. Die Begeisterung dafür, dass sie aus geografisch und kulturell unterschiedlichen Teilen der Welt stammen und in Basel aufeinandertreffen, um Kunst zu machen, ist sicher noch kein Grund, eine Ausstellung – oder vier Einzelausstellungen - mit ihnen zu gestalten. Es existiert ein sprichwörtlicher rote Faden, der sich durch die Ausstellung zieht. Lokale Netzwerke und kollektives Wissen, historische und soziale Verantwortung, geteilte koloniale und intersektionale Vergangenheiten ziehen sich durch die künstlerische Praxis der Kunstschaffenden. Es sind diese Systeme, in denen sich die vier künstlerischen Positionen mit eigenständiger Leichtigkeit bewegen. Was auf den ersten Blick nach vier Einzelpositionen aussieht, entfaltet sich bei genauer Betrachtung zu einem Gewebe kollektiven Austausches.

Wie orientieren wir uns in einer Welt, die von scheinbar unlösbaren Problemen und Katastrophen heimgesucht wird. Was können wir als Individuen ausrichten? Die Ausstellung gibt nicht vor, Antwort auf diese Fragen zu geben. Stattdessen hat sie sich zum Ziel genommen, vier verschiedene, in ihren spezifischen kulturellen Diskursen verankerte Positionen miteinander zu verbinden. Der Übertitel der Ausstellung «You ask the time and I see the world» steht dafür, dass wir keine globalen Antworten geben können. Die Arbeiten der vier Kunstschaffenden geben Anlass, die Fragen in ihrer jeweiligen künstlerischen Eigenständigkeit zu konkretisieren.

Die Künstler:innen arbeiten in vier verschiedenen medialen Bereichen. Grant Jurius bewegt sich für die Ausstellung in der Malerei und im Sound, Kara Springer arbeitet fotografisch-installativ, auch mit Text, Sandeep TK fokussiert sich auf Text, Fotografie und zeitbasierte Medien, während Ivette Olmedo die Brücke zwischen Handwerk und Kunst im Bereich Papier und Textil schlägt. Sie teilen die Reflexion über Parameter des Wandels – ostentativ, provokativ, subtil. Politisch, historisch und ästhetisch werden Kommunikationswege geöffnet, der Diskurs gesucht. Der Weg ist hier das Ziel. Die Ausstellung will keine Probleme lösen und Antworten auf dringende Fragen geben, sondern setzt sich zum Ziel, Kommunikationswege öffnen.

Sandeep TK aus Kerala, Indien arbeitet mit Fotografie, Text und Video. Die Beschäftigung mit seiner persönlichen, kulturellen, politischen und historischen Biografie liess ihn eine sehr eigenwillige und komplett autodidaktische künstlerische Sprache entwickeln. In seiner Arbeit konzentriert er sich auch, aber nicht nur, auf eine selbstbewusste Identifizierung mit seiner Kaste als "Thiyya" - einer Kaste, die in der Hierarchie als niedriger angesehen wird. Seine Bilder, Texte und Videos Idee erzählen von Beziehungen, Begehren, lokalen und persönlichen Geschichten und fiktiven Erzählungen im Kontext spezifischer Räume, die er bewohnt oder erlebt hat. Seine verschiedenen Identitäten - Queer-, Kaste- und Hautfarbe - und deren Erfahrung im Alltag erforscht und kontextualisiert er in seiner Arbeit. In seinen Fotografien, bewegten Bildern und Texten erscheint er meistens selbst.
Grant Jurius stammt aus Kapstadt, Südafrika. Seine künstlerische Praxis umfasst urbane Interventionen, Sound, Malerei, Zeichnung und Collage. Er arbeitet alleine, aber auch als Teil eines Kollektivs. Zu seinen frühen Arbeiten gehört eine Serie von Kohlezeichnungen städtischer Architektur mit dem Titel "The Unseen». Der Titel ist symptomatisch für Jurius’ Arbeitsansatz. Die Innenstadt, die Landschaften der Vorstädte und der Cape Flats in Kapstadt gehören zu seinen Wirkungsgebieten. Animal Skin erzählt von den Erfahrungen des Künstlers aus erster Hand, seinen Träumen, Visionen, Albträumen und Sehnsüchten. Der Zugang zu diesen Arbeiten basiert auf dem Bestreben, ein Gefühl für die rituelle Natur des indigenen Erbes zu bekommen, die dazu zwingen, Narrative zu erschaffen, die identitär von Bedeutung sind.
Ivette Olmedo ist eine bildende Künstlerin, die in Oaxaca und in Xalapa, Mexiko, lebt und arbeitet. Olmedo war zunächst als Architektin und Malerin tätig. Im Jahr 2008 begann sie, mit "Textil/Papier" zu arbeiten, wobei sie sich unter anderem mit Farbe, Fasern und der Falte als Element der Flächen in der Bildhauerei beschäftigte. In ihrer unermüdlichen Suche nach Perfektion hat Olmedo ihre Werke ästhetisch reduziert. Sie arbeitet mit handgeschöpftem Baumwollpapier, recyceltem Papier, bei hohen und niedrigen Temperaturen gebranntem Keramikpapier, Baumwolltüchern, Filz und Wolle. Auf einem Pedalwebstuhl gewebt und mit natürlichen mexikanischen Pigmenten gefärbt, sind Textilien das Medium ihrer Wahl für ihre künstlerische Praxis.
Kara Springer (Barbados/Kanada) arbeitet mit Fotografie, Skulptur und ortsspezifischen Interventionen. Ihre Arbeiten tragen einen sehr stark installativen Charakter und hinterfragen bewusst und individuell die jeweiligen politischen und ideologischen Systeme, in denen sie sich bewegt. Durch die Auseinandersetzung mit Architektur, städtischer Infrastruktur und institutionellen und politischen Machtsystemen, entstehen immer wieder Arbeiten, die teilweise ephemer, aber immer fordernd provokativ die Grundlagen etablierter Strukturen und Systeme hinterfragen. Ihr besonderes Interesse gilt immer dem Gehäuse und dann der darunter liegenden Struktur, die die Substanz eines Körpers an Ort und Stelle festigt, sowohl bildlich, als auch symbolisch gesprochen. Kara Springer schloss ihr Studium in Industriedesign, Neuen Medien und Bildhauerei an der University of Toronto, ENSCI les Ateliers in Paris und der Tyler School of Art in Philadelphia ab.

(Kuratorin und Texte: Isabel Balzer)

You ask the time and I see the world
The exhibition "You ask the time and I see the world" presents four Atelier Mondial resident artists: Kara Springer, Ivette Olmedo, Grant Jurius and Sandeep TK. The excitement over the fact that they come from geographically and culturally different parts of the world and meet in Basel to make art, is certainly not yet a reason to mount an joint exhibition - or rather four solo exhibitions. Instead, it is way more interesting than that: there exists a proverbial thread that runs through the exhibition. Local networks and collective knowledge, cultural and social responsibility, shared colonial and intersectional histories run through the artistic practice of each one of the artists. It is these systems in which the four artists move with ease, independent from each other. What at first glance looks like four individual positions unravels upon closer inspection to a fabric of collective exchange.
How do we orient ourselves in a world beset by seemingly insoluble problems and catastrophes? What can we do as individuals? The exhibition does not pretend to provide answers to these questions. Instead, it aims to connect four different positions rooted in their specific cultural discourses. The exhibition's supertitle "You ask the time and I see the world" stands for the fact that we cannot give global answers. The works of the four artists give reason to concretize the questions in their respective artistic autonomy.
The artists work in different areas. For the exhibition, Grant Jurius employs painting and sound, Kara Springer works in her in situ installation with photography and text, Sandeep TK focuses on text, photography and time-based media, while Ivette Olmedo bridges the gap between craft and art with paper and textile. All artists share a reflection upon parameters of change - ostentatious, provocative and subtle. Communication channels are opened - politically, historically and aesthetically – and discourse is sought. Here, the journey is the reward. As the exhibition does not offer to solve problems and provide answers to urgent questions, it nevertheless sets itself the goal of opening communication channels.
Sandeep TK (India) is a lens-based artist from Kerala, India. He works with photographs, text, and video and his artistic practice focuses also, but not solely, on a self-conscious identification of his caste as a "Thiyya"- a caste seen lower in the caste hierarchy. He works with the idea of relationships, desire, oral histories, and fictional narratives in the context of specific spaces that he inhabited or experienced through the exploration of the role of his Queer, caste, colour identity and its experience in everyday life. His practice involves photographs, moving images and text which often involve himself in them.

Grant Jurius is a full time practising artist born and raised in the Elsies River, Cape Town, South Africa. He works alone, but often also as part of a collective. Early exhibited works include a series of charcoal drawings of urban architecture titled, “The Unseen” – a term which became the underlying contextual premise of most of his work thereafter.
His artistic practice has been greatly influenced and is partly a result of exploring the innercity landscape, suburban as well as the Cape Flats in Cape Town. The series of paintings draws influence from the artist's first hand experiences, dreams, visions, nightmares and aspirations. The approach to these paintings has been loosely based on striving to gain a sense of the ritualistic nature within our indigenous heritage that compels us to create narratives that are meaningful to us.

Ivette Olmedo is a visual artist, living and working in Oaxaca and in Xalapa, Mexico. Olmedo’s first career was as an architect and painter. In 2008 she started to work with “textile/paper,” her research concerning among others colour, fibres and the crease as an element of the areas in sculpture. In an infinite search for perfection, Olmedo has aesthetically simplified her pieces. She works with hand made cotton paper, recycled paper, ceramic-paper burnt in high and low temperatures, cotton clothes, felt, wool. Woven on a pedal loom and dyed with natural Mexican pigments, making textile the medium of choice for her artistic practice.
Kara Springer (Barbados/Canada) works with photography, sculpture and site-specific interventions. Her work bears a very strong installative character and consciously and individually questions the respective political and ideological systems in which she moves. Through her engagement with architecture, urban infrastructure, and institutional and political systems of power, she repeatedly creates works that are sometimes ephemeral, but always challengingly provocative, questioning the foundations of established structures and systems. She is always particularly concerned with armature and the underlying structures that hold the substance of a body in place, both literally and figuratively speaking. Kara Springer graduated in Industrial Design, New Media and Sculpture from the University of Toronto, ENSCI les Ateliers in Paris and the Tyler School of Art in Philadelphia.

(Curator and Texts: Isabel Balzer)